Designkombinat

Interview Designkombinat

Das Designkombinat ist ein kleiner, aber feiner Laden auf dem Engelboster Damm im Herzen der Nordstadt. Von bekannter Markenbekleidung über kleineren Labels und Einzelstücken junger regionaler Designer bis hin zu handgefertigten Haarspangen und Ketten gibt es hier allerlei zu entdecken. Wer den Laden betritt, wird in den Bann der aufstrebenden Fashion-Welt hineingezogen.

Anlässlich des 10jährigen Bestehens des Designkombinats haben wir eine der zwei Geschäftsführerinnen zum Gespräch gebeten.

Unsere Gesprächspartnerin Eva lebt seit 18 Jahren in Hannover und hat an der Hochschule Hannover ihr Modestudium absolviert. Zusammen mit ihrer Geschäftspartnerin Kathrin führt sie nun schon seit 10 Jahren das Designkombinat.

Hannover rules: Eva, wie seid ihr auf die Idee gekommen ein Kleidungsgeschäft zu eröffnen?

Eva: Ich habe selber genäht und eigene Kollektionen gemacht. Mit Freundinnen habe ich einen Laden gesucht, wo wir selberOutfit produzieren und verkaufen können. Wir hatten damals noch einen kleineren Laden, wo wir mal für ein halbes Jahr drin waren und selber eigene Ware verkauft haben. Also wir haben da mit drei Nähmaschinen gesessen und einer hat einen LKW-Planentaschen genäht, die andere hat kleine Beutel aus Küchenutensilien gemacht und ich hab meine Modekollektion gemacht.
Und so kam eins zum anderen. Dann kamen ganz viele Andere, die auch was verkaufen wollten und haben gefragt, ob wir das in Kommission nehmen und dann haben wir von den anderen auch die Sachen ausgestellt. Und das lief ganz gut und hat auch total Spaß gemacht und dann haben wir aber gemerkt, die beiden anderen wollten was Anderes machen, das es so nicht weitergeht. Die Größe des Ladens war auch schwierig, weil er sehr klein war.
Dann haben wir was Größeres gesucht und sind hier fündig geworden. Mit meiner neuen Geschäftspartnerin habe ich es hier dann eröffnet. Anfangs wurde auch ein bisschen genäht, wir hatten auch viel Designerware im Programm anfangs, hat sich aber im Laufe der Zeit ein bisschen gewandelt. Jetzt verkaufen wir Markenmode.

Hannover rules: Wie seid ihr zu eurem Shopnamen „Designkombinat“ gekommen?


AußenansichtEva:
Der ist aus der Zeit als wir genäht haben, weil wir dachten, das verbindet so die Designer alle zusammen in einem „Kombinat“. Man schließt sich zusammen und macht zusammen etwas. Und auf russisch bedeutet „Kombinat“ auch Haus im weiteren Sinne, also dass man zusammen unter einem Dach ist und zusammen designt. Daher kommt der Name.

Hannover rules: Ihr seid ja 2004 gestartet und habt dann 2011 in Linden eine weitere Filiale eröffnet. Plant ihr noch weitere Filialen?

Eva: Nee, wir planen nichts weiteres. Also einzig unseren Online-Shop, uns richtig drum zu kümmern. Denn haben wir jetzt ein bisschen heruntergefahren, weil wir dafür keine Zeit haben. Aber das wäre jetzt noch ein Standbein, wo man sich noch mal, wenn Zeit ist, darauf konzentrieren könnte. Aber im Moment sind die Läden erst mal wichtiger.

Hannover rules: Was unterscheidet euch von anderen Klamotten-Geschäften in Hannover?

Eva: Uns ist wichtig, dass wir kleine Marken führen, die auch nicht so viel vertreten sind, also gerade nicht in der Innenstadt.
Dass man wirklich noch was Individuelles und Besonderes findet.
Und wir achten auch auf die Qualität, weil in der Innenstadt bekommt man inzwischen viel Primark und H&M. Das ist halt eine andere Preislage und auch ein anderes Niveau, eine andere Qualität, das wir uns davon halt auch abheben. Wir bieten auch eine Beratung, was uns unterscheidet, also dass ein Kunde auch zu uns kommen kann, wenn er für Hochzeiten, was ich im Moment viel habe, etwas sucht. Ein Kleid oder Kombinationssachen. Was ziehe ich zum Pullover an? Wie trägt man eine enge Röhrenjeans? Was ziehe ich oben dazu an?

Hannover rules: In euren Shop können angehende Jungdesigner ihre Stücke präsentieren. Wie funktioniert das genau?

Eva: Wir haben Regalfächer (Anm. d. Red. auf denen die Sachen ausgestellt werden). Obwohl, das ist im Moment gerade etwas geschrumpft.
Es gibt die Möglichkeit, wenn man kleine Sachen produziert, wie Ketten zum Beispiel, dann können die zu uns kommen und dann nehmen wir das in Kommission. Dann schauen wir, ob es passt, vom Stil vom Design, ob wir uns auch auf dem Preisniveau befinden, was bei uns rein passt. Und dann kann man das hier verkaufen.

Hannover rules: Fallen auch Gebühren an für die Ausstellung?Accessoirces

Eva: Für die Ausstellung an sich nicht, aber in dem Moment wo es verkauft wird, da kriegen wir einen Anteil.

Hannover rules: Nutzen viele diese Möglichkeit?

Eva: Im Moment haben wir nicht so viel Fläche dafür. Deswegen wird es nicht so viel genutzt. Im Moment haben wir zehn oder zwölf Designer drin, aber sind immer so Kleinigkeiten, deswegen fällt es nicht auf. Der eine bedruckt T-Shirts, wir haben eine die macht nur Haarspangen… überall ist so etwas Kleines dazwischen.

Hannover rules: Gilt dieses Angebot nur für euren Shop in der Nordstadt oder auch für den Laden in Linden?

Eva: Das ist nur in der Nordstadt.

Hannover rules: Mit dieser Möglichkeit wollt ihr ja „regionale Modemacher/designer“ unterstützen. Wie kommt es zu diesem Engagement?

Eva: Aus dem Denken heraus, dass ich das selber studiert habe. Weil ich weiß wie schwer es ist eine Lücke zu finden,gerade wenn man nur kleine Kollektionen macht und nicht einen Vertrieb mit einer großen Produktion, wo es dann ehe in die Breite und in die Masse geht, sondern wirklich die Leute, die Einzelteile machen und individuell anfertigen, die haben es oft ganz schwer eine Nische zu finden, wo sie verkaufen können. Inzwischen gibt es ja zum Glück so Online-Shops wie DaWanda, wo es eine Möglichkeit ist. Aber auch um in Läden präsent zu sein ist es schwierig, weil es einfach so viel gibt. Ich kriege täglich Anrufe von Firmen, die wir ins Programm nehmen sollen, weil es einfach so viele gibt, die in Läden mit rein wollen oder präsent sein wollen. Dann unterstütze ich immer lieber so Kleine und denke man gibt denen ’ne Chance, gerade wenn sie etwas Schönes machen, das auch mal der Öffentlichkeit zu zeigen.

Gemischtes1Hannover rules: Auf eurer Seite schreibt ihr „für jeden Kunden und Geldbeutel etwas im Angebot zu haben“ Was kostet das billigste Kleidungsstück hier und was ist das teuerste Stück?

Eva: Das günstigste sind T-Shirts und Tops für 9,95€ und das teuerste sind Winterjacken für 240€.

Hannover rules: Wo ist die Obergrenze oder würdest zu sagen gibt es eine Obergrenze was man für Kleidung ausgeben darf?

Eva: Nein, die gibt es nicht. Das hat ja immer mit dem individuellen Einkommen und dem Gefühl auch zu tun, was einem etwas Wert ist. Und das kann sich auch ändern. Auch was es für ein Teil ist. Je besonderer und individueller, desto mehr ist man bereit mehr zu bezahlen.

Hannover rules: Ist das Thema Nachhaltigkeit oder Fairer Handel für euch ein Thema?

Eva: Ein ganz wichtiges Thema. Weil die Zeit ja im Moment so ist, dass man darüber auch nachdenken muss und sollte. Also IMG_9076
wir achten bei unseren Firmen schon drauf, dass da keine Ware aus Bangladesch zum Beispiel dabei ist oder auch zum Beispiel wie die Jeans produziert werden.
Wir kriegen von unseren Jeans-Herstellern auch regelmäßig Broschüren . Wir haben auch DVDs bekommen, wo gezeigt wird, dass (Anm. d. Red. die Jeans) nicht mit schlimmen Sandstrahlungen hergestellt wird. Also da hoffen wir, dass das alles stimmt.
Zum Beispiel hatten wir letzten Winter erstmalig auch Daunenjacken im Programm, was wir bisher immer nicht gemacht haben, weil es auch teilweise mit Tierquälerei zusammenhängt. Aber wir haben jetzt welche von einer Firma angeboten bekommen von einer schwedischen, die da auch Zertifikate drauf haben, dass sie nicht lebend gerupft sind. Und dann haben wir gesagt gut, das ist ein Kompromiss. Dann kann man das auch machen. Also wir achten da schon drauf.
Wir haben ab Herbst jetzt auch eine neue Marke, die sich Braintree nennt aus England, die ein Siegel für faire Produktion und Biobaumwolle haben, die auch trotzdem modisch sind. Die passen ganz gut zu uns und sind auch preislich, finde ich dafür Jeanssehr gerechtfertigt.

Hannover rules: Braintree bietet also Biostoffe an?Pulli_Acce1

Eva: Genau Bio und dass es Fairtrade, also aus fairen Bedingungen kommt, was ich fast noch wichtiger im Moment finde. Also hätte ich gerne mehr solche Marken, dass man dem Kunden auch was sagen kann, wo es herkommt und wie die Menschen behandelt werden, die dafür arbeiten.
Es gibt schon, also auch Männer fragen viel nach, wundert man sich, die sind da auch sehr interessiert und es gibt auch Leute, die alle Etiketten durch gucken, wo kommt es her. Also man merkt schon, dass es in den Köpfen der Leute immer mehr wird.IMG_9076

Hannover rules: Wie stehst du zu Echtpelz?

Eva: Haben wir nicht im Programm, möchten wir auch nicht.

Hannover rules: Laut den Angaben auf euer Seite hattet ihr bereits drei Modenschauen. Präsentiert ihr dort eigene Kollektionen oder Stücke aus dem Sortiment?

IMG_9044Eva: Aus unserem Sortiment. Wir haben eine Zeitlang jährlich Modenschauen gemacht,auch ziemlich große. Wir haben einmal eine in der Lutherkirche auch gehabt, das war super, ganz toll mit 500 Zuschauern. Ja, mussten wir mal eigentlich wieder machen.

Hannover: Worauf achtest du, wenn ihr bei Modemessen nach neuen Trend sucht?

Eva: Wir gehen ja hauptsächlich auf die Messen, um neue Marken zu entdecken, aber klar gucken wir auch, was haben sie zu bieten, was für Farben zeigen die. Wir sind auch immer eine Saison früher dran, also wenn wir jetzt im Sommer nächsten Monat auf die Messe gehen,dann ist es das Programm für nächsten Sommer, was gezeigt wird. Und dann kann man schon absehen, wo die Richtung hingeht. Viele Marken sind ja auch sehr ähnlich im Programm. Dann merkt man schon „Ah ja“ alle haben Trenchcoat oder beige oder oliv-grün. Ist nicht so, dass wir uns daran orientieren
und sagen wir müssen, dass jetzt deswegen haben, weil es Trend ist, aber es ist immer so ein Bauchgefühl, dass man dann denkt: „Ach ist ja eigentlich ’ne schöne Farbe, kann man ja probieren.“

Hannover rules: Gibt es Sendung oder Blogs die auch interessant sind in Bezug auf neue Trends?

Eva: Nee, ich bin eher der Zeitschriftenblätterer. Also Fernsehen schaue ich nicht so viel, ich weiß es gibt gute Sendungen auf Arte, aber da bin ich nicht so drin.
Es ist mehr so, dass ich in die Instyle gucke, ist zwar nicht unsere Art von Mode, die da gezeigt wird, aber trotzdem sieht man jaKleiderpuppen was in anderen Bereichen passiert und kann das adaptieren und da gucke ich was auch immer so angesagt ist. Was die Stars so tragen und solche Sachen.

Hannover rules: Bekannte Marken wie Bench und Ragwear sind bei euch vertreten. Aber auch nicht bekanntere Marken wie Yumi und Sugarhill, wie entscheidet ihr welche Marken ihr aufnehmt?

Eva: Bench haben wir nicht mehr.

Hannover rules: Warum nicht?

Eva: Weil die zu sehr in die breite Masse gegangen sind. Die hängen inzwischen bei Kaufhof, bei Real, überall. Haben eigene Stores. Da ist für uns der Reiz verloren gegangen, das bei uns zu haben, weil wir die kleinen und selektiven Marken unterstützen.

Hannover rules: Zurück zu den kleinen Marken. Woher wisst ihr, welche die richtigen sind?

Ketten1Eva: Das ist letztendlich auch Bauchgefühl. Man geht ja über die Messen, also nicht nur über die Messen, man geht zum Beispiel auch in Berlin und Hamburg durch die Läden und in anderen Großstädten und guckt was hängt da in den Trendstores, was verkaufen andere, guckt im Internet, was wird geboten oder man sieht auf der Straße jemanden anderes und fragt was ist das. Ja, und wenn man die Marke im Ganzen sieht auf der Messe oder im Showroom, dann guckt man sich das an und macht Termine. Dann probieren wir das auch an, ob die Schnitte gut sind und wir gucken uns die Materialien an und dann entscheiden wir, ob wir es bestellen oder nicht. Manchmal ist man sofort dabei und sagt: Wow, super, wir wollen ganz viel und sofort bestellen. Und manchmal probiert man auch erst mal aus und fragt, ob man mal zehn Teile erst mal vorsichtig bestellen kann und in den Laden rein hängt, gucken was die Kunden sagen. Also so kann der Weg auch sein, das es sich langsam aufbaut.

Hannover rules: Wie würdest du den oder die typische Kunden/in des Designkombinats beschreiben?

Eva: Es ist schwer einzugrenzen, weil wir im Moment ein sehr breites Spektrum haben. Also ich würde mal sagen angefangen von 25 Jahren total stylisch, modisch interessiert bis hin zur knapp 60-jährigen, die auch ein schönes ausgefallenes Teil sucht oder sich noch mal jung fühlen will und etwas Ausgefalleneres sucht. Die Hauptkundschaft ist im Moment so um die 40.

Hannover rules: Wo siehst du euch in 5 Jahren?

Eva: Ganz schwer zu sagen, weil Mode ist so eine Sache, die lebt von dem Moment und es ganz schwierig voraus zu planen.
Wir merken das auch, dass jede Saison anders ist, dass man immer wieder Sachen dazu lernt. Man muss sich immer Schritt für Schritt voran tasten. Mode ist ja gerade so,dass sich viele Online-Shops in den letzten fünf Jahren explodiert sind. Da muss man sich auch an den Markt anpassen. Dass die ganzen Billigketten gekommen sind in die Innenstädte. Es ist so, man muss immer seine Lücke suchen. Wo passt man hin, wie bietet man noch etwas Besonderes, wie kann man sich abheben. Da arbeiten wir Schritt für Schritt dran und ich kann es nicht sagen.

Hannover rules: Gibt es einen Plan B?

Eva: Nee eigentlich nicht. Darüber habe ich noch nicht nachgedacht, weil ich glaub, das gibst für mich eigentlich nicht. Das

Porträt_Eva1macht nach wie vor Spaß auch nach zehn Jahren. Das ist auch immer wieder neu und auch kreativ, weil man ja immer wieder neu nach Marken sucht und sich anpasst, auch mit den Kunden. Ist schon toll. Hätte ich nicht gedacht.

Hannover rules: Wir bedanken uns recht herzlich für das Gespräch.

Wer übrigens das zehnjährige Bestehen des Desingkombinats, der Trionauten sowie das 1-jährige Bestehen der bohne Hannover feiern möchte, der ist am 7. Juni herzlich eingeladen zur großen Jubiläumssause im Weidendamm 8. Beginn der Veranstaltung ist um 23 Uhr.

 

 

About Michi

Als gebürtige Hannoveranerin gehört es zu meiner Leidenschaft euch die neusten News und Schlagzeilen rund um unsere Stadt zu bringen. Meine Interessen liegen vor allem bei den Themen Reisen und Sprachen. Neben meinem Bachelor- Studium Informationsmanagement arbeite ich freiberuflich für Hannoer Rules- denn das Schreiben ermöglicht mir meinen Gedanken freien Lauf zu lassen. Besonders in den Bereichen Kultur und Sport werden noch zahlreiche Beiträge folgen.