Radio Hannover

Radio Hannover 87.6 – die Stimme der Stadt

Hannover hat seinen ersten Lokalsender bekommen. Seit dem 2. April ist die Stimme der Stadt, wie sich der neue Radiosender bezeichnet,  nun „on Air“. Dies war für uns Grund genug, um das Studio zu besuchen und den Geschäftsführer Herrn Dohmen und Programmdirektor Herrn Stack um ein Gespräch zu bitten.

Hannover rules: Herr Dohmen, warum braucht Hannover noch einen weiteren Radiosender?

Herr Dohmen:
Weil Hannover die letzte Landeshauptstadt in ganz Deutschland war, die seit über 20 Jahren kein kommerzielles, privates

Eingangsbereich

Eingangsbereich

Stadtradio hat. Gab es bisher nicht, weil es gesetzlich verboten war. Es war gesetzlich nicht zulässig ein privates, kommerzielles Stadtradio hier überhaupt betreiben zu dürfen. Dieses Gesetz wurde 2011 zum Glück geändert, nachdem alle anderen Landeshauptstädte in Deutschland schon seit über 20 Jahren ein eigenes Stadtradio sehr erfolgreich hatten oder bis heute haben. Das hat mich als medien-begeisterten Unternehmer natürlich auch wachgerüttelt, dass ich gesagt habe, jetzt gründe ich eine Firma und gehe nach Hannover. Meine Frau ist zum Glück mit mir hergezogen. Ich habe hier neue Mitgesellschafter gesucht, die in die Firma eingestiegen sind. Vier Unternehmer, die hier super verwurzelt sind. Deshalb bin ich nach Hannover gekommen, weil es so etwas hier noch nicht gab. Hier gab es bisher nur landesweites, privates Radio und kein lokales Radio.

Hannover rules: Das Gesetz war dann ein niedersächsisches Gesetz?

Herr Dohmen: Ja, richtig! Jedes Bundesland hat sein eigenes Landesmediengesetz. Es gibt den Rundfunkstaatsvertrag und da drunter gibt es die Landesmediengesetze. Wie gesagt, sind da die einzelnen Bundesländer für zuständig. Jedes Bundesland hat auch seine eigene Landesmedienbehörde. Die niedersächsische Landesmedienbehörde muss sich an das niedersächsische Landesmediengesetz halten. Dieses Gesetz hat bis 2011 überhaupt nicht vorgesehen, dass es hier in Niedersachsen einen einzigen kommerziellen, privaten Lokalsender geben durfte. Es gab hier laut Gesetz immer nur die Möglichkeit landesweiten Privatfunk zu machen, sowohl im Fernsehen als auch im Radiobereich. Deshalb gibt es hier auch FFN, also Funk für Niedersachsen oder Antenne Niedersachsen. Also immer landesweit. Selbst Radio 21 ist ein landesweites Programm, welches über ganz viele Frequenzen in Niedersachsen zu empfangen ist.
Aber es gab hier noch nie die Idee eines kommerziellen Privatradios auf lokaler Ebene wie beispielsweise, einen Radiosender nur für München, einen Radiosender nur für Köln oder auch eine kleinere Stadt zu nennen Nürnberg oder dort wo ich herkomme Stuttgart.

Es hat alle in der Szene gewundert, warum es so etwas in Niedersachsen nicht gibt. Es ist natürlich ein Vakuum hier gewesen an lokaler Berichterstattung. Wir merken dies auch. Seit wir auf Sendung sind, haben wir wahnsinnig viel Zuspruch bekommen, weil Björn Stack mit seinem Team ja nichts anderes machen, als den Lokalteil der Zeitung im Radio. Wir berichten alle paar Minuten über Hannover. Das hat bisher hier nicht stattgefunden. Ein Sender, der natürlich landesweit orientiert ist, der sitzt vielleicht auch in Hannover und bringt ein bisschen was aus Hannover, aber der muss genauso viel aus allen anderen Regionen Niedersachsens bringen, um ausgewogen Bericht erstatten zu können. Also fand Hannover und die Region Hannover im kommerziellen, privaten Hörfunk immer nur punktuell statt und es gab nie so eine eigene Identität im Radio. Dieses Wirgefühl, wir sind Hannover, wir lieben Hannover, wir leben in Hannover, wir machen und wir sind Hannover. Genau das hat hier gefehlt.
Dies gibt es in allen anderen Landeshauptstädten. Dann war es klar, wenn sich die Chance auftut, dass so etwas auch in Hannover möglich wird, dass so ein Medienmacher wie ich hier hin muss, um so etwas aufzubauen.

Hannover rules: Gibt es Pläne speziell hannoversche Bands und Interpreten zu fördern bzw. häufiger zu spielen?

Aufenthaltsraum

Aufenthaltsraum

Herr Stack: Ja, wir haben immer wieder neue Bands. Wir haben Künstler, die sich vorstellen. Bei dem Punkt Fördern haben wir keine Musikredaktion, die Aufbauarbeiten bei Musikern leistet. Wir können insofern fördern, als das wir gerade auch hannoversche Bands spielen werden.

Hannover rules: In Frankreich gibt es das Gesetz, welches besagt, dass im Radio mindestens 40 Prozent der Lieder im französischsprachig sein müssen. Was halten sie davon, wenn dieses Gesetz auch in Deutschland eingeführt wird?

Herr Stack: Davon halte ich relativ wenig, weil das eine Reglementierung des Staates ist. Ich verstehe den Hintergrund, den man da will. Man will nationalen Kulturerhalt und das ist verständlich.
Aber ich bin da eher ein Freund des liberalen Radiomarktes, zumal wir dann vorgeschrieben bekommen müssten, womit wir unser Geld verdienen. Da geht es schon los. Wir wollen möglichst eine kulturelle Bandbreite haben, viele Künstler zu Wort kommen lassen und möchten das selber entscheiden können. Wir möchten eigentlich ungern wirtschaftlich, was mir noch wichtiger ist aus meiner Sicht, eingeschränkt sein. Es würde eine Zensur bedeuten und das sollte man in Deutschland um Gottes Willen nicht einführen. Man schreibt den Medien vor, was sie zu machen haben. Davon sind wir lange, lange weg.
Medien sind dazu da kritisch zu berichten. Medien sind dazu da ein ausgewogenes Verhältnis, im Sinne der Gewaltenteilung zu haben. Das wäre ein Eingriff in die Rundfunkfreiheit, wenn man uns das vorschreibt. Insofern bin ich sehr dagegen.

Hannover rules: Könnte man das Gesetz auch als Marktschaffung für neue Künstler ansehen?

Herr Stack: Nein, ich glaube nicht,dass man durch Regulierung einen Markt schaffen kann. Ich glaube, dass dies nur Nachteile mit sich bringt. Für den Freiheitsgedanken, den Medien haben sollten und für die Meinungsvielfalt, aber auch im wirtschaftlichen Sinne, weil man gewisse Sachen beschränken würde. Wem sollte dies was bringen?

Hannover rules: Wenn die Radiosender gezwungen sind 40 Prozent deutschsprachig zu spielen, würde so nicht ein erhöhter Bedarf für deutsche Interpreten geschaffen werden?

Herr Stack: Aber ich bin nicht dafür da der Musikindustrie Bedarf zu schaffen. Das soll die Musikindustrie machen. Da sollen sie gute Künstler aufbauen. Ich möchte ganz gerne unreglementiert und frei Berichten dürfen und auch freie Musik spielen dürfen. Was wir für richtig halten und was unsere Hörer gerne hören wollen.

Hannover rules: Ihre Musikprogramm ist eine bunte Mischung. Warum haben sie sich nicht für eine Musikrichtung entscheiden?

Herr Stack: Weil wir ein Lokalsender sind und kein Musikspartensender. Das ist die erste Erklärung. Wir definieren uns als

Herr Stack

Björn Stack

Lokalsender, ein Sender für die Stadt mit lokalen Inhalten. Da haben wir natürlich Musik gesucht, die die meisten Hannoveraner und Hannoveranerinnen gerne hören wollen. Wir möchten gerne ganz viele Menschen ansprechen. Junge wie Alte, Männer wie Frauen, jeglichen Coleurs. Also alle, die sich in Hannover zu Hause fühlen.
Wir wollen uns eben nicht eine Musikstilrichtung raus suchen. Dann würde man eine gewisse Fan-Gemeinde, eine gewissen

Musikrichtung ansprechen und das wollen wir nicht.

Herr Dohmen: Wir lösen das hier anders. Wir machen in unserem täglichen Programm die bunte Mischung von der sie sprechen. Dann schaffen wir noch gerne Spezialsendeplätze für spezielle Musikrichtungen. Wir haben mittwochabends zum Beispiel ab 21 Uhr „die Grenzwellen“ von Ecki Stieg. Das ist schon eine sehr spezielle Musikrichtung. Wir sind offen für weiter spezielle Musikrichtungen an anderen Abenden, zu anderen Sendezeiten, an anderen Sendeplätzen. Wir sind der Meinung, dass es in einem urbanen, modernen Stadtradio Platz geben muss, solche extremen Musikrichtungen abzubilden. Es muss eben auch professionell produziert sein. Es muss jemand da sein, der es professionell auch umsetzt, wie in diesem Fall jetzt Ecki Stieg. Im Idealfall muss es dann noch jemanden geben, der das wirtschaftlich trägt weil jede Sendeminute, die wir senden uns viel Geld kostet und die müssen wir natürlich refinanzieren.

Hannover rules: Wenn Sie sagen das trägt, heißt das Sponsor für die Sendung an sich?

Herr Dohmen: Richtig, wir sind gerade in Gesprächen mit interessierten Sponsoren, die sagen Mensch, Ecki Stieg mit seiner speziellen Musikausrichtung interessiert uns. Dieses Musikformat, dieser Stil, dieses Genre, was er anspricht und die vielen Fans, die nachweislich da sind und über UKW das hören, aber auch über das Internet. Auch weltweit haben wir Zugriffe. Wenn die Sendung läuft. Hochinteressant, also Neuseeland, China, Russland – Wahnsinn, Australien, USA. Da gibt es Sponsoren, die sagen, das interessiert mich, weil es zu meiner Marke, meinem Image passen. Wenn wir das vermarkten können, werden wir das vermarkten, weil so letztendlich Privatradio funktioniert. Privatradio wird es nur so lange geben wie genügend Menschen dieses Privatradio refinanzieren. Ansonsten wird die Sendung oder der ganze Sender irgendwann wieder eingestellt. So funktioniert Marktwirtschaft.

Hannover rules: Es gibt Meinungen, nach denen das Radio immer mehr von Online-Streaming-Anbietern abgelöst wird und damit die Zielgruppe des Radio immer älter wird. Was meinen Sie dazu?

Herr Stack: Also erst mal würde ich die These widerlegen. Die Hördauer von Radiosendern ist nicht gesunken.

Herr Dohmen: Also Radio ist noch das Medium, was sich im Vergleich zu allen anderen Medien am Besten gehalten hat. Es ist am wenigstens angegriffen. Es ist wenig tangiert von Internet, auch von Streaming-Diensten. Ich glaube das liegt einfach daran, spezielle bei dem Format was auch wir machen, dass es kein Streaming-Dienst anbietet. Ich glaube nicht, dass die Menschen in erster Linie Radio Hannover nur wegen der Musik hören. Einen Musik-Streamingdienst nutze ich, weil ich sage, ich interessiere mich für die Musik, für ein spezielles Genre oder spezielle Ausrichtungen. Aber das was wir mit unseren Hannover-News bieten, mit allen 15 Minuten aktueller Berichterstattung aus Hannover und dem Sendegebiet, das bietet so in dieser Form kein anderer Dienst an, egal ob er gestreamt wird oder zum download bereit gestellt wird oder auf ganz anderen Medienwegen daherkommt.
Ich glaube dass ist das Besondere an unserer Idee von einem modernen, weltoffenen Stadtradio.

Unternehmenslogo

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Bei uns gibt es Nachrichten zur vollen Stunde, aber auf den anderen Sendeplätzen gibt es dauernd etwas was mit Hannover zu tun hat. Da haben wir gar keine Angst vor, vor anderen Angeboten.
Da kann es noch tausende von Streams geben. Das ist unser USP, wie es schön Neudeutsch heißt, unser Alleinstellungsmerkmal. Da stecken wir auch einen Haufen Geld, einen Haufen Engagement, Haufen Professionalität hinein.
Wir haben eine super ausgestattete Redaktion. Björn Stack hat sich da ein tolles Team zusammen gestellt. Das ist es was die Leute auch so goutieren. Die sagen ihr habt eine bunte Musikmischung. Ihr spielt auch mal Lieder, die bei den anderen nicht so kommen. Wir wiederholen auch nicht so oft, damit wir die Leute nicht mit unserer Musik nerven. Der Einschalteffekt ist ja: “Oh schon wieder der gleiche Song”.
Aber was es bei uns gibt, gibt es bei keinem anderen, egal ob es ein öffentlich-rechtlicher Sender oder privater Sender ist, oder ob es ein Streaming-Dienst ist. Nachrichten aus Hannover und die möglichst immer aktuell, alle paar Minuten. Mit Interviews, mit O-Tönen, mit Reportagen und, und, und. Davon lebt so ein Stadtradio. Von dieser Authentizität.
Wir sind mitten hier in der Stadt. Das ist auch Absicht warum wir hier sitzen und nicht irgendwo im Industriegebiet oder weiter draußen. Wir sind hier sichtbar, wir haben eine offene Tür. Wir sind Bestandteil der Stadt. Dieser Dialog mit den Hörern, mit den Menschen, mit der Stadt, mit dem Sendegebiet ist etwas so Tolles. Da habe ich überhaupt keine Angst vor Spotify und was es da sonst noch so alles gibt. Ich kenne auch sonst niemanden, der so viel Geld in die Hand nimmt, um täglich so viel Redaktion zu machen, damit die Menschen aktuell über das informiert sind, über einen Radiosender aus Hannover.

Hannover rules: Warum definieren sie ihre Zielgruppe bei den 29-bis 59-jährigen?

Herr Dohmen:

Wir definieren unsere Kernzielgruppe zwischen 29 und 59, deshalb weil das nach all unserer Erfahrung die Menschen sind, die sich am stärksten für das interessieren, was wir tun. Das sind in de Regel die Menschen, die hier leben, die hier verwurzelt sind, die hier verankert sind, die hier groß geworden sind, die hier vielleicht ihr Häuschen, ihre Eigentumswohnung gekauft haben, die sich in der Stadt und in der Region ins öffentliche Leben mit einbringen.
Diese Menschen sagen Jawohl, ich will wissen, was vor meiner eigenen Haustür passiert, ich bin aber auch Bestandteil des Ganzen. Das sind auch die Menschen, die letztendlich hier auch das Wirtschaftsleben beflügeln, die den Wirtschaftsmotor auch drehen. Die leben hier, die arbeiten hier, die verdienen hier ihr Geld, die geben hier ihr Geld aus, die erleben hier Freizeit, die sind hier engagiert, die fühlen sich hier wohl, die lieben so wie wir Hannover.
Auch um uns von den anderen schon abzugrenzen und zu unterscheiden. Wir dutzen unsere Hörer nicht, wir siezen unsere Hörer. Wir machen eher ein Radio für Erwachsene. Wir machen kein Radio für Kinder der Teens. Wir nehmen unsere Hörer und deren Anliegen Ernst und wir respektieren auch dieses Deutsche Sie.
Wir haben auch überhaupt nichts dagegen, wenn uns Menschen hören, die über 59 oder jünger als 29 sind. Aber es ist so üblich in der Marktforschung, dass man sich irgendwo positioniert. Wir positionieren uns ganz bewusst eben dort, weil wir glauben, dass diese Menschen sich am stärksten für das interessieren, was wir tun. Wir kriegen auch aus der Altersgruppe, der 29- bis 59-jährigen nach den sieben Wochen, wo wir auf Sendung sind, hervorragendes Feedback. Das kann Björn Stack noch viel besser beschreiben und wiedergeben als ich, weil er täglich mit dem Programm und mit den Programmmachern im Dialog

Links: Herr Dohmen Rechts: Herr Stack

Links: Herr Dohmen
Rechts: Herr Stack

mit den Hörern steht. Natürlich ist es wirtschaftlich gesehen welches mein Part ist, das kaufkräftige Publikum hier in Hannover. Die Kids haben auch Geld, aber wer kauft sich im Autohaus um die Ecke einen Neuwagen oder einen jungen Gebrauchten für 59.000€. Das wären eher Menschen in der Altersgruppe zwischen 29 und 59 als zwischen 8 Jahren und 18 Jahren. Da eben alle anderen und viele andere schon auf diesen Jugendmarkt gehen und viele andere auch schon ihre Hörer duzen und mehr so einen gute Laune-Ding abziehen. Das machen wir nicht. Wir versuchen ein authentisches,ehrliches, glaubwürdiges inhaltsorientiertes Programm anzubieten. Da treffen wir genau den richtigen Nerv in dieser Zielgruppe.

Hannover rules: Beim Zuhören in den letzten 2 Wochen ist uns aufgefallen, dass viele alte Songs gespielt werden und eher seltener die neuen Chart-Hits. Hängt dies mit dem finanziellen Aspekt zusammen?

Herr Stack: Nein, das stimmt nicht. Wir spielen sehr ausgewogen neue und alte Songs im Wechsel. Ziemlich genau 50:50. Das hat in der Finanzierung indirekt insofern damit zu tun, dass wir eben die Zielgruppe der 29- bis 59-jährigen ansprechen wollen. Wir spielen sehr viel neue Songs, die die anderen Privatsender gar nicht spielen. Also wir sind da glaube ich sogar in vielen Sachen innovativer als die anderen Sender. Wenn sie uns mal letzte Woche gehört haben, wir haben jemanden von Culcha Candela gehabt im Interview, wir hatten Bela B. von den Ärzten im Interview, wir hatten Mark Forster im Interview. Also wir hatten sehr viele junge Künstler, durchaus Künstler, die auch ein junges Publikum ansprechen oder dauernd neue Titel produzieren. Nöö, wir spielen auch neue Sachen.

Herr Dohmen: Die Alten fallen halt mehr auf. Viele Leute sagen, der lief ja schon lange nicht im Radio. Aber das ist genau unsere Absicht. Wir spielen bewusst Lieder bis Ende der 70er Jahre, die auch so ein bisschen soulig und groovig sind oder die gut produziert sind. Wir finden die gut und unser Zielpublikum findet die auch gut. Also Barry White lief gerade nebenbei oder auch mal wieder Sade oder Gloria Gaynor. Diese Geschichten halt, schon so Klassiker. Das ist jetzt noch nicht die tiefste Oldie-Kiste, da müssten wir noch weiter zurück gehen, das machen wir nicht. Aber die bringen einen ganz guten Groove und Drive mit, das passt zu einem Startsender. Die Leute finden es gut. Wenn man auf Facebook guckt, von 10 Einträgen sind 9 positiv und einer sagt, Gefällt mir nicht so. Man kann es nie allen recht machen. Aber ich glaube wir haben es mit der Musikauswahl ganz gut getroffen.
Neue Titel haben wir genauso drin. Wir versuchen eine Mischung zu machen.

Hannover rules: Sie sagen:“ Was in Hannover passiert, wird man bei uns zuerst erfahren.“ worauf stützen Sie diese Aussage?

Herr Dohmen: Auf unseren Programmdirektor und seine Redaktion.

Hannover rules: Sind Sie in Hannover besonders gut vernetzt?

Herr Dohmen: Wir sind nur in Hannover vernetzt.

Herr Stack: Ja eben. Wir sind eine Redaktion die sich ausschließlich um die Themen der Stadt kümmert. Deswegen glaube ich schon, dass wir sehr gut vernetzt sind. Ich glaube, dass wir mit sehr vielen Leuten hier vor Sendestart auch gesprochen haben, wie man schnell in eine Zusammenarbeit kommt, wie man schnell an Pressemittlungen ran kommt, wie man schnell an Themen ran kommt. Es wird bei uns angerufen, sodass wir nicht selber Themen finden müssen, sondern Themen an uns heran getragen werden. Ich glaube das hat viel mit Vernetzung zu tun, aber auch mit dem tollen redaktionellen Team, was wir hier haben, welches das Handwerk auch versteht.

Herr Dohmen: Das ist auch der Anspruch an uns selber. Auch für die nächsten zwanzig Jahre. Also unsere Sendelizenz läuft für 10 plus 10 Jahre. Wir sind seit 7 Wochen auf Sendung. Wir arbeiten Tag für Tag an diesem Leitmotiv. Aber natürlich hat eine Woche 7 Tage und es gibt auch mal einen Feiertag oder einen Sonntag. Da ist es nicht immer ganz zu halten, dieses Versprechen.
Aber zumindest an den Werktagen von Montag bis Freitag versuchen wir das Medium zu sein das die Leute wissen, wenn sie uns einschalten, dann verpassen sie nichts mehr. Sie kriegen mit was aktuell hier los ist. Das ist unser eigener Anspruch. Wenn wir dem nicht mehr gerecht werden, dann sind wir eigentlich überflüssig. Dann können die Leute einen anderen Sende hören.

Hannover rules: Markus Kavka wird bald bei ihnen auf Sendung gehen. War es schwer jemanden wie ihn an Bord zu kriegen?

Herr Dohmen: Ja, fast unmöglich. Es geht nur, weil unser Mitgesellschafter und Geschäftsführerkollege da persönliche,
gute Drähte hat. Er hat mit Herrn Kavka auch schon bei anderen Projekten im Fernsehbereich zusammen gearbeitet hat.

Claudia Fyrnihs

Claudia Fyrnihs

Markus Kavka war auch hier und hat dazu ein Interview gegeben. Er hat erzählt, dass er eigentlich gar nicht mehr vor hatte Radio zu machen. Aber er war sehr angetan von dieser Idee und von unserem Ansatz ein modernes, frisches, weltoffenes, urbanes Stadtradio zu machen und eben nicht so ein altbackenes, biederes, langweiliges Radio. Da möchte er gerne dran teilnehmen und dann haben wir uns überlegt und ihn gefragt, was er sich vorstellen könnte, was wir uns vorstellen könnten. Er wird jetzt eben im Herbst eine weitere Spezialsendestrecke, eine Sendereihe bei Radio Hannover starten.
Auch da sind wir sicher, dass es ein Achtungserfolg und auch in der Szene durchaus ein Hinhörer und ein Gesprächsthema sein, ähnlich wie als wir mit Ecki Stieg auf Sendung gegangen sind.

Diese Sendereihe kannte ich selber nicht, da ich nicht von hier bin. Aber ich hab das alles gelernt. Es war ein Riesenhype um „die Grenzwellen“. Der hält bis dato auch an, was die Nachfrage betrifft.
Wir sind uns sicher, dass wir mit dem Format mit Markus Kavka was vergleichbar tolles schaffen werden. Mal gucken, ob es in der Zukunft exklusiv nur bei Radio Hannover zu hören ist oder ob es uns sogar gelingen wird dieses Format über Hannover hinaus in die Welt zu tragen. Da gibt es durchaus Überlegungen und Planungen in die Richtung. Aber dies ist von vielen Faktoren abhängig, die wir heute noch nicht beeinflussen können.
Ich glaube fest daran, genauso wie an „die Grenzwellen“ und an andere Spezialformate, die wir noch vorhaben im Laufe der nächsten 20 Jahre.

Hannover rules: Hat er bei der Auswahl der Musikstücke freie Auswahl?

Herr Dohmen: Ja, es wird ein ein musikalisches Tagebuch geben. Es ist eine Mischung aus was sehr persönlichem von Markus Kavka. Er macht diese Erlebnisse, diese Ereignisse dann an Musiktiteln fest, die in der jeweiligen Zeitspanne für ihn eine besondere Bedeutung hatten. Dann muss er ja die freie Auswahl haben. Da wir so eine breite Range spielen, glauben wir auch nicht, dass es nicht zu uns passt oder irgendwo aneckt.
Ganz im Gegenteil, viele Menschen, viele Hörer und Hörerinnen werden wahrscheinlich mit all den Titeln auch irgendetwas verbinden. Sie können zu dem einen oder anderen auch nette Erinnerungen wachrütteln. Wir sind alle sehr neugierig und freuen uns schon drauf.

Hannover rules: Neue Musikformate sind geplant. Was erwartet den Zuhörer bei den neuen Formaten?

Herr Dohmen:
Wir sind in Gesprächen mit mehreren „Ecki Stiegs“. Wenn wir praktisch ein Genre abgedeckt haben, machen wir uns Gedanken zum Nächsten. Wir sprechen gerade über zwei mögliche Ausrichtungen. Das Eine wird mehr Charts-und Danceorientiert sein und das Andere könnte etwas Rockiger oder auch etwas mehr Oldie-Base sein.
Da sind wir absolut offen. Es hat nichts mit den Faktoren zu tun, ob es für ein breites Publikum interessant ist oder mit dem wirtschaftlichen Aspekt. Gibt es einige oder mehrere Unternehmen die sagen, das interessiert mich, so eine Sendereihe zu präsentieren? Das muss alles zusammen kommen. Bei Ecki Stieg und Markus Kavka gehen wir in Vorleistung, weil wir fest an diese beiden Formate glauben. Bei anderen Formaten sagen wir, können wir uns vorstellen die auf Sendung zu nehmen. Wir brauche aber dafür aber von Anfang an eine Refinanzierung. Wir können nicht alles Vorfinanzieren. Meine Mitgesellschaft und ich haben ehe schon einen Haufen Geld in das ganze Projekt rein gesteckt. Irgendwann muss auch mal etwas zurück kommen. Wir sind offen für weitere, darüber hinaus gehende Ideen und Formate, aber es muss sichergestellt sein, dass die anfallenden Kosten auch gedeckt werden. Wenn die Kosten für die Sendeanlage, den Sendebetrieb finanziert sind, können wir uns noch viel vorstellen, was weitere Musikformate und Musik-Specials angeht.

Hannover rules: Das Konzept sieht also so aus, dass mit dem normalen Musikprogramm die breite Masse der Zielgruppe zu treffen und mit speziellen Formaten Akzente zu setzen?

Herr Dohmen: Ganz genau. Dies soll Menschen ermöglichen, die sagen, ich steh auf Dance-Nights und dass soll es bei

Herr Dohmen

Fred Dohmen

einem Stadtradio auch geben. Natürlich gibt es das nicht immer. Wir sind kein Spartenradio und dies würde tagsüber keinen Sinn machen. Aber einmal die Woche könnten wir durchaus eine Dance-Night machen. An einem anderen Tag gibt es „die Grenzwellen“, an einem anderem Tag könnte es auch noch was im Rock-Bereich geben oder Live-Songs. Da sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt.

Hannover rules: Sie sind bald 7 Wochen auf Sendung, gab es in dieser Zeit Anlaufschwierigkeiten oder Hürden die genommen werden mussten?

Herr Stack: Das ist immer eine ganz spannende Zeit die ersten Wochen. Das ist wie eine Feuertaufe. Das ist eine Feuerprobe, das ist ein Team, was sich vorher nicht kannte und zusammen finden musste. Die Technik muss sich eingrooven. Das ist ein Miteinander auch mit Kunden, mit Multiplikatoren, mit Pressesprechern in der Stadt Hannover. Das ist sicherlich eine ganz spannende Pionierzeit, die Anfangszeit. Das nicht alles 100prozentig funktioniert ist völlig normal. Die ersten Monate bei einem Sender ist die spannendste Zeit.

Herr Dohmen: Das ist wahnsinnig komplex. Stellen sie sich vor, sie würden zu Zweit, zu dritt, zu viert einen neuen Radiosender starten. Wie Björn Stack schon gesagt hat, wir haben den Radiosender aus dem Boden gestampft innerhalb von sechs, sieben, acht Wochen.
Hier waren vorher normale Baustellen. Jetzt haben sie innerhalb weniger Wochen Menschen, die sich zusammen finden müssen, eine Technik, die komplett neu installiert wird. Alle Abläufe, die zu einem Radiosender dazu gehören müssen neu kreiert, neu erfunden werden, neu entwickelt, neu optimiert werden. Das ist ein wahnsinniges Uhrwerk. Aber dafür muss ich sagen toi, toi, toi.
Wir hatten keine größeren Sendeausfälle. Wir hatten nicht einmal einen halben Tag keine Ton.
Hier und da würde natürlich mal ein falscher Knopf gedrückt. Aber im Großen und Ganzen haben wir keine massiven Probleme gehabt. Das liegt natürlich daran, dass wir Leute eingestellt haben,die alle schon Radio gemacht haben. Wenn es darauf ankommt haben sie in einer heißen Phase trotzdem die Nerven bewahrt. Aber natürlich sind wir alle Menschen und machen auch mal Fehler.
Aber in der Öffentlichkeit hatten die Leute Toleranz und Sympathie. Es gab nicht mal eine Situation wo es hieß, das ist ja furchtbar oder ihr könnt das nicht.

Aber das liegt an Björn Stack.Mein Gott seit wie vielen Jahren macht Björn Radio? Seit er Denken kann so ungefähr.

Herr Stack: Paar Jahre. 23 glaube ich.

Herr Dohmen: Ich mach das glaube ich seit 25 Jahren. Ich habe immer nur Sender aus dem Nichts aufgebaut und gegründet. Das ist meine Welt, ich liebe das. Ich gehe dann immer wenn es ein paar Jahre läuft, weil es für mich dann langweilig wird. Ich brauche dieses Kribbeln. Etwas neues aus der Taufe heben, diese Pionierphase von der Björn gesprochen hat. Diesen Wahnsinnskick kriegt man nie mehr. Das war auch allen bewusst, die hier mit eingestiegen sind.
In welcher Hauptstadt Deutschlands wird es wieder einen neuen Radiosender geben?
Einen niegelnagel neuen, den es vorher nicht gab. Eine Frequenz, die vorher noch nie eingeschaltet war. Die vorher nicht existierte. All diese Dinge zu erleben.
Wände raus zu reißen, auf eine Baustelle zu kommen – Wahnsinn. Klar wir haben die Nächte vor dem 2. April vielleicht nur noch 3 Stunden geschlafen, weil es so viel zu tun gab.
Ab dem Sendestart musste der Sender 24 Stunden laufen und das Programm jeden Tag aktuell gestaltet werden. Es war ein Riesenherausforderung. Aber es ist nichts größeres Schief gegangen.
Ja wir hatten letztens mal so einen Fehler, dass wir zwei mal die gleiche Stunde von der Musikauswahl gespielt haben, weil die eine Stunde uns verloren gegangen war.

Hannover rules: Ist das bewusst oder unbewusst passiert. Wurde bewusst gesagt wir spielen das nochmal?

Herr Dohmen: Nein wir hatten keine andere Möglichkeit. Die nächste Stunde, die eigentlich kommen sollte, war weg. Alle Tricks und Maßnahmen gingen nicht mehr. Damit wir überhaupt was gesendet haben, haben wir spontan entschieden die gleiche Musik nochmal zu spielen. Dann kam eine Email von eins, zwei Leuten, die gesagt haben, ihr spielt ja zwei Stunden hinter einander die gleiche Musik. Ist verständlich, dass man sich dafür nur entschuldigen kann. Aber das war glaube ich der größte Fehler der passiert. Also bei anderen Sendern, die ich neu gestartet habe, sind schon schlimmere Sachen passiert. Beim Fernsehsender hatten wir mal ein Abend lang schwarzes Bild, den ganzen Abend über. Aber das sind andere Dimensionen. Von daher toi, toi, toi.

Hannover rules: Wir bedanken uns recht herzlich für das Gespräch.

About Michi

Als gebürtige Hannoveranerin gehört es zu meiner Leidenschaft euch die neusten News und Schlagzeilen rund um unsere Stadt zu bringen. Meine Interessen liegen vor allem bei den Themen Reisen und Sprachen. Neben meinem Bachelor- Studium Informationsmanagement arbeite ich freiberuflich für Hannoer Rules- denn das Schreiben ermöglicht mir meinen Gedanken freien Lauf zu lassen. Besonders in den Bereichen Kultur und Sport werden noch zahlreiche Beiträge folgen.